»1 : 1« Mentoringprogramm für NRW-Schriftsteller*innen 2021/22

Zwei nachwuchsautor*innen sind zur förderung ausgewählt

Gerade am Beginn ihrer Laufbahn brauchen Schriftsteller*innen Unterstützung. Sie brauchen Ermutigung, einen souverän-kritischen Blick auf ihre Arbeit und Rat in künstlerischen und berufspraktischen Fragen. Dafür schaffen die nordrhein-westfälischen Literaturbüros in Bonn und Düsseldorf seit 2018 einen Rahmen mit ihrem Mentoringprogramm „1 : 1“.
Im dritten Projektzeitraum (November 2021 bis Oktober 2022) stehen mit Marion Poschmann und Horst Eckert erneut zwei erfahrene Mentor*innen bereit, jeweils eine Nachwuchsautorin, einen Nachwuchsautor ein Jahr lang zu begleiten.

 

Die Teilnahme an „1 : 1“ war öffentlich ausgeschrieben: Bewerbungen sollten mit einem konkreten Schreibprojekt erfolgen (Lyrik / Prosa für das Mentorat mit Marion Poschmann, Krimi / Thriller für das Mentorat mit Horst Eckert). Bis zum Stichtag 31.05.2021 gingen 60 Bewerbungen ein. Jetzt haben Marion Poschmann und Horst Eckert gemeinsam mit den Literaturbüros Bonn und Düsseldorf zwei Autor*innen zur Förderung ausgewählt:

 

Marion Poschmann wählte die Düsseldorferin Vera Vorneweg und ihr Schreibprojekt mit dem Arbeitstitel „Geländeprosa“. Seit einiger Zeit erkundet Vera Vorneweg die Peripherie Düsseldorfs, indem sie mit allen U-Bahn-Linien bis zu den Endhaltestellen fährt und sich dort in der „Wildnis der Stadt“ verliert. Ihre unzähligen Eindrücke hält sie handschriftlich fest. Marion Poschmann: „Vera Vornewegs Text ist eine Expedition in vertrautes und unvertrautes Gelände zugleich. Er schildert eine körperlich unternommene Reise, legt jedoch besonderes Augenmerk auf die Konstruktion von Wahrnehmung und auf ihre sprachliche Verfaßtheit. Er stellt das Subjekt behutsam in Frage, zieht sich aber nicht ins Philosophische zurück. Er nimmt einen Standpunkt ein, nicht indem er wertet, sondern indem er nicht übersieht. So entsteht auch ein Bewußtsein für gesellschaftliche Prozesse und Verwerfungen.“

Horst Eckert entschied sich für den Kölner Daniel Faßbender und sein Romanprojekt mit dem Arbeitstitel „Surf Noir“. Darin wird die Geschichte eines ehemaligen deutschen Surfprofis erzählt, dessen Leben auf einer philippinischen Insel sich um Surfen, Alkohol und das Vergessen dreht. Widerwillig nimmt er den Auftrag einer reichen Spanierin an, nach ihrem verschwundenen Sohn zu suchen, und gerät in einen Sumpf aus Drogenhandel und Korruption. Horst Eckert: „Daniel Faßbender verleiht dem alten Genre der hardboiled Detektivgeschichte neuen Schwung. Überzeugend sind vor allem die Figurenkonstellation und das Setting – das tropische Urlaubsparadies, in dem Verbrecher um die Herrschaft ringen und auf das eine ebenso skrupellose Regierung im fernen Manila ihre Schatten wirft.“

Die Wahl fiel bei der Vielzahl und Unterschiedlichkeit der eingereichten Schreibprojekte in beiden Fällen nicht leicht. Wie schon in den letzten Jahren zeugte die Summe der Einsendungen von einer bemerkenswert vitalen Schreibszene in NRW. Ausschlaggebend für die Entscheidung war schließlich die Frage, welches Schreibvorhaben Poschmann und Eckert am produktivsten ein Jahr lang unterstützen könnten: So stützt sich die Auswahl neben der gewünschten literarischen Qualität auf definitiv subjektive Kriterien wie die persönliche Nähe zu Form und Stoff.

„1 : 1“ ist ein gemeinsames Projekt des Literaturbüros NRW in Düsseldorf und des Literaturbüros NRW Süd im Literaturhaus Bonn, gefördert vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen.

 

»1 : 1« Mentoringprogramm für NRW-Schriftsteller*innen 2020/21

zwei Nachwuchsautorinnen sind zur Förderung ausgewählt

 

Gerade am Beginn ihrer Laufbahn brauchen Schriftsteller*innen Unterstützung. Sie brauchen Ermutigung, einen souverän-kritischen Blick auf ihre Arbeit und Rat in künstlerischen und berufspraktischen Fragen. Dafür schaffen die nordrhein-westfälischen Literaturbüros in Bonn und Düsseldorf seit 2018 einen Rahmen mit ihrem Mentoringprogramm »1 : 1«.

Im dritten Projektzeitraum (November 2020 bis Oktober 2021) stehen mit David Wagner und Ulrike Anna Bleier erneut zwei erfahrene Mentor*innen bereit, jeweils eine Nachwuchsautorin ein Jahr lang zu begleiten.

 

Die Teilnahme an »1 : 1« war öffentlich ausgeschrieben: Bewerbungen sollten mit einem konkreten Schreibprojekt erfolgen (Prosa / Essay für das Mentorat mit David Wagner, Roman / Kurzprosa für das Mentorat mit Ulrike Anna Bleier). Bis zum Stichtag 15.06.2020 gingen 54 Bewerbungen ein. Jetzt haben David Wagner und Ulrike Anna Bleier gemeinsam mit den Literaturbüros Bonn und Düsseldorf zwei Autorinnen zur Förderung ausgewählt:

 

David Wagner entschied sich für die Kölnerin Jennifer Segebrecht und ihr Romanvorhaben »Muttertage«. Was hält Familien zusammen? Was bringt sie auseinander? Was wiederholt sich von Mutter zu Tochter, von Generation zu Generation, wer ist wem ähnlich, und wer wandelt in seinem Leben auf Spuren und Bahnen, von denen sie oder er noch gar nichts weiß? Segebrecht zeichnet ein Triptychon dreier Frauen, die einander Mütter, Töchter und Enkeltochter sind. Die Autorin zeigt ihre sie auf Fluchten und Ausbrüchen zwischen Deutschland, Frankreich und der Türkei; zeigt, wie sie einander Verletzungen zufügen, vielleicht wieder zueinander finden. Ihr Projekt bietet eine fesselnde Stofffülle auf und spannt einen gewagten erzählerischen Bogen. Es überzeugt durch Dringlichkeit und Eigenständigkeit der Darstellung.

 

Ulrike Anna Bleier wählte Nora Schramm und ihr Kurzprosa-Projekt »Über das Fliegen im Wasser« aus:  »In ihrer Kurzgeschichten­sammlung erzählt Nora Schramm von und über Frauen in der Kunst: von ihrer Vereinnahmung als Musen durch männliche Künstler, aber auch von ihrem eigenen Selbstverständnis als Künstlerinnen. Sie erzählt keine Opfergeschichten, sondern zeigt, was Künstlerinnen für ihre Kunst in Kauf genommen und wie sie sich dennoch gegen männliche Besitzansprüche behauptet haben, unter anderem am Beispiel Tippi Hedren und Alfred Hitchcock. Die Geschichten spielen zu einer Zeit, in der es noch keine Sprache für emotionale oder sexuelle Ausbeutung gab. Mir hat sehr gefallen, wie klug die Autorin ihren eigenen Stil kreiert, der sich immer auch an ihren Figuren orientiert, und damit große sprachliche Präsenz erzeugt.«

 

Die Wahl fiel bei der Vielzahl und Unterschiedlichkeit der eingereichten Schreibprojekte in beiden Fällen nicht leicht. Wie schon im letzten Jahr zeugte die Summe der Einsendungen von einer bemerkenswert vitalen Schreibszene in NRW. Ausschlaggebend für die Entscheidung war schließlich die Frage, welches Schreibvorhaben Wagner und Bleier am produktivsten ein Jahr lang unterstützen könnten: So stützt sich die Auswahl neben der gewünschten literarischen Qualität auf definitiv subjektive Kriterien wie die persönliche Nähe zu Form und Stoff.

 

»1 : 1« ist ein gemeinsames Projekt des Literaturbüros NRW in Düsseldorf und des Literaturbüros NRW Süd im Literaturhaus Bonn, gefördert vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen.

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Roger Willemsen

Schirmherr 2010-2016

Grußwort

 

»Wie gut, dass die Literatur in Bonn endlich ein Dach bekommt: Große Autorinnen und Autoren, Romane und Dichtung, Vergangenheit und Gegenwart, Zeitkritik und Polemik, kunstvoll Ziseliertes und spontan Improvisiertes, lauter innere Ereignisse. Die Ressourcen der Literatur sind unerschöpflich, und sie bieten der Leserschaft unendliche Möglichkeiten der Selbstverwandlung an. Freuen Sie sich also, es ist angerichtet. Nun müssen nur noch die Gäste kommen: Sie.«



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