»1 : 1« Mentoringprogramm für NRW-Schriftsteller*innen 2020/21

zwei Nachwuchsautorinnen sind zur Förderung ausgewählt

Gerade am Beginn ihrer Laufbahn brauchen Schriftsteller*innen Unterstützung. Sie brauchen Ermutigung, einen souverän-kritischen Blick auf ihre Arbeit und Rat in künstlerischen und berufspraktischen Fragen. Dafür schaffen die nordrhein-westfälischen Literaturbüros in Bonn und Düsseldorf seit 2018 einen Rahmen mit ihrem Mentoringprogramm »1 : 1«.

Im dritten Projektzeitraum (November 2020 bis Oktober 2021) stehen mit David Wagner und Ulrike Anna Bleier erneut zwei erfahrene Mentor*innen bereit, jeweils eine Nachwuchsautorin ein Jahr lang zu begleiten.

 

Die Teilnahme an »1 : 1« war öffentlich ausgeschrieben: Bewerbungen sollten mit einem konkreten Schreibprojekt erfolgen (Prosa / Essay für das Mentorat mit David Wagner, Roman / Kurzprosa für das Mentorat mit Ulrike Anna Bleier). Bis zum Stichtag 15.06.2020 gingen 54 Bewerbungen ein. Jetzt haben David Wagner und Ulrike Anna Bleier gemeinsam mit den Literaturbüros Bonn und Düsseldorf zwei Autorinnen zur Förderung ausgewählt:

 

David Wagner entschied sich für die Kölnerin Jennifer Segebrecht und ihr Romanvorhaben »Muttertage«. Was hält Familien zusammen? Was bringt sie auseinander? Was wiederholt sich von Mutter zu Tochter, von Generation zu Generation, wer ist wem ähnlich, und wer wandelt in seinem Leben auf Spuren und Bahnen, von denen sie oder er noch gar nichts weiß? Segebrecht zeichnet ein Triptychon dreier Frauen, die einander Mütter, Töchter und Enkeltochter sind. Die Autorin zeigt ihre sie auf Fluchten und Ausbrüchen zwischen Deutschland, Frankreich und der Türkei; zeigt, wie sie einander Verletzungen zufügen, vielleicht wieder zueinander finden. Ihr Projekt bietet eine fesselnde Stofffülle auf und spannt einen gewagten erzählerischen Bogen. Es überzeugt durch Dringlichkeit und Eigenständigkeit der Darstellung.

 

Ulrike Anna Bleier wählte Nora Schramm und ihr Kurzprosa-Projekt »Über das Fliegen im Wasser« aus:  »In ihrer Kurzgeschichten­sammlung erzählt Nora Schramm von und über Frauen in der Kunst: von ihrer Vereinnahmung als Musen durch männliche Künstler, aber auch von ihrem eigenen Selbstverständnis als Künstlerinnen. Sie erzählt keine Opfergeschichten, sondern zeigt, was Künstlerinnen für ihre Kunst in Kauf genommen und wie sie sich dennoch gegen männliche Besitzansprüche behauptet haben, unter anderem am Beispiel Tippi Hedren und Alfred Hitchcock. Die Geschichten spielen zu einer Zeit, in der es noch keine Sprache für emotionale oder sexuelle Ausbeutung gab. Mir hat sehr gefallen, wie klug die Autorin ihren eigenen Stil kreiert, der sich immer auch an ihren Figuren orientiert, und damit große sprachliche Präsenz erzeugt.«

 

Die Wahl fiel bei der Vielzahl und Unterschiedlichkeit der eingereichten Schreibprojekte in beiden Fällen nicht leicht. Wie schon im letzten Jahr zeugte die Summe der Einsendungen von einer bemerkenswert vitalen Schreibszene in NRW. Ausschlaggebend für die Entscheidung war schließlich die Frage, welches Schreibvorhaben Wagner und Bleier am produktivsten ein Jahr lang unterstützen könnten: So stützt sich die Auswahl neben der gewünschten literarischen Qualität auf definitiv subjektive Kriterien wie die persönliche Nähe zu Form und Stoff.

 

»1 : 1« ist ein gemeinsames Projekt des Literaturbüros NRW in Düsseldorf und des Literaturbüros NRW Süd im Literaturhaus Bonn, gefördert vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen.

Zum Projekt »1 : 1« Mentoringprogramm für NRW-Schriftsteller*innen

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