September bis Dezember 2017

Mit Theresia Enzensberger 

und Dorian Steinhoff

Dienstag, 5. Dezember, 20 Uhr, Fabrik 45

 

IMPORT/EXPORT ist ein Veranstaltungsformat, das junge deutschsprachige Literatur live präsentiert. Kurzgetaktet und smart, mit Verve und Witz: Eine Literaturveranstaltung, die Lesung und Late-Night-Show kurzschließt.

 

Die Abende sind jedes Mal ein fröhlicher Punsch aus Textjingles, alternativen Romananfängen, wilden Plotideen und anderen Überraschungen, von denen vorher wirklich niemand wusste. Alles in bunt, aber nicht zu grell. Außerdem wird bestimmt auch vorgelesen.

 

Zu Gast ist im Dezember Theresia Enzensberger mit ihrem Debutroman »Blaupause« (Hanser). Ihre Protagonistin Luise Schilling ist wissbegierig, klug und vor allem auf der Suche. Nach sich, nach der Liebe, nach haltbaren Ideen. Anfang der 1920er Jahre kommt sie als Studentin ans Bauhaus in Weimar und schmeißt sich mitten hinein in die Utopien ihrer Gegenwart. Theresia Enzensberger hat mit Blaupause einen Roman geschrieben, der »das Vergangene als etwas Lebendiges begreift« (Florian Illies) und dabei auslotet, wie man im Jahr 2017 politisch erzählen kann.

 

Fabrik 45, Hochstadenring 45, Bonn
Karten 6 € über Bonnticket oder an der Abendkasse

 

In Kooperation von Kulturzentrum zakk (Düsseldorf) und Literaturhaus Bonn kommt Import/Export alle zwei Monate in Düsseldorf und Bonn auf die Bühne. Ein Konzept von Dorian Steinhoff (Köln) www.doriansteinhoff.de; gefördert von


Matthias Nawrat

»Die vielen Tode unseres Opas Jurek«

Schlesische Erfahrungswelten

Lesung und Gespräch mit dem Autor

Mittwoch, 29. November, 19 Uhr

Haus Schlesien, Königswinter

 

Viele Tode musste Opa Jurek in seinem Leben sterben: im besetzten Warschau, wo er in der Sperrstunde zwei deutschen Soldaten in die Arme läuft. In der »weltberühmten« Ortschaft Oświęcim, in der er den Todeshunger kennenlernt. Und auch, als er, der Erfinder der »umgekehrten Humoristik«, schon längst mit Oma Zofia verheiratet ist und ihre Tochter sich in einen jungen Delinquenten verliebt, der sie nach Kanada entführen will. Von der noch ungetrübten Vorkriegszeit bis in die Aufbruchsjahre nach der Öffnung des Eisernen Vorhangs reicht diese bewegte Geschichte einer polnischen Familie. Ein virtuos erzählter Roman über das Überleben unter wechselnden Regimen: »Noch nie ist es einem Autor gelungen, die neuere Geschichte Polens derart klug in einer Mischform aus Witz und Tragik erzählerisch zu verdichten. Gerade in der Gratwanderung gewinnt dieses großartige Buch seine volle verstörende Kraft.« FAZ

 

Matthias Nawrat, 1979 im polnischen Opole geboren, siedelte als
Zehnjähriger mit seiner Familie nach Bamberg um und lebt heute in
Berlin. Er studierte in Freiburg und Heidelberg Biologie, danach am
Schweizer Literaturinstitut in Biel. Für seine bisher drei Romane erhielt er zahlreiche Literaturpreise.

 

Haus Schlesien, Dollendorfer Str. 412, Königswinter
Karten 5 € / 2,50 € über T 02244 - 88 60, kultur@hausschlesien.de oder an der Abendkasse

 

In Kooperation mit:


Ingo Schulze

»PETER HOLTZ«

Lesung und Gespräch mit dem Autor

Moderation: Kerstin Stüssel

Dienstag, 28. November, 20 Uhr

Hörsaal XIV, Universität Bonn

 

Peter Holtz will das Glück für alle. Er nimmt die Verheißungen der westlichen Welt beim Wort. Schon als Kind praktiziert er die Abschaffung des Geldes, erfindet den Punk aus dem Geist des Arbeiterliedes und bekehrt sich zum Christentum. Als Mitglied der CDU (Ost) kämpft er für eine christlich-kommunistische Demo-kratie. Doch er wundert sich: Der Lauf der Welt widerspricht aller Logik. Seine Selbstlosigkeit belohnt die Marktwirtschaft mit Reich-tum. Hat er sich für das Falsche eingesetzt? Und vor allem: Wie wird er das Geld mit Anstand wieder los?
Mit Witz und Poesie lässt Ingo Schulze eine Figur erstehen, wie es sie noch nicht gab, wie wir sie heute aber dringend brauchen: in Zeiten, in denen die Welt sich auf den Kopf stellt.

 

Ingo Schulze wurde 1962 in Dresden geboren und lebt in Berlin. Nach dem Studium der klassischen Philologie in Jena arbeitete er zunächst als Schauspieldramaturg und Redakteur. Sein erstes Buch »33 Augenblicke des Glücks« erschien 1995 und machte ihn auf Anhieb bekannt. Es folgten die Romane »Simple Storys« (1998), »Neue Leben« (2005), »Adam und Evelyn« (2008), anschließend Erzählbände, Aufsätze und Reden. Ingo Schulzes Werk wurde mit großen Literaturpreisen ausgezeichnet und ist in mehr als 30 Sprachen übersetzt.

 

Universität Bonn, Am Hof 1, Bonn

Karten im VVK über Bonnticket 12 € / 6 €, Abendkasse 14 € / 8 €

 

In Kooperation mit


Norbert Scheuer

»Am Grund des Universums«

Lesung und Gespräch mit dem Autor

Freitag, 17. November, 20 Uhr

buchLaden 46

 

In der Cafeteria des Supermarktes von Kall trifft Faktisches auf Fantastisches und Hochdeutsch auf Eifler Dialekt. Ein Stausee soll vergrößert, ein Ferienpark errichtet werden – soweit der prosaische Hintergrund einer Fülle faszinierender Geschichten: von der ersten Liebe zwischen Nina und Paul, dem Liebesverrat von Sophia und Eugen, der späten Leidenschaft zwischen Herrn Vallentin und Isabell. Erzählt wird von menschlichen Schwächen und enttäuschten Hoffnungen, von Intrigen und vom Streben nach Bereicherung.
Eine Gruppe alter Männer spürt den Geheimnissen im »Urftland« nach und versucht, seine verborgenen Mechanismen zu begreifen.
Den wahren Grund der Dinge können sie dabei nicht erkennen. Doch Norbert Scheuer lässt uns feinsinnig im Vorhandenen das Verschollene entdecken und im Kleinen das Große. Seine Poesie erschließt das Glück im Alltag.


Norbert Scheuer, Jg. 1951, lebt in Kall in der Eifel und arbeitete als
Systemprogrammierer. Er schreibt Lyrik und Prosa, war Inhaber der
Bonner Thomas Kling-Poetikdozentur und erhielt zahlreiche Literaturpreise. »Die Sprache der Vögel« war 2015 für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert. Als Bonner Publikum profitieren wir vom Heimvorteil und bekommen Ripuarisch live geboten: An Scheuers Seite trägt der mit der Eifler Mundart von Kindheit an vertraute Autor Manfred Lang die Dialektpassagen vor.

 

Musik: Susanne Riemer (Gesang, Trompete) und Wilhelm Geschwind (Bass, Gitarre)

 

buchLaden 46, Kaiserstr. 46, Bonn
Karten 12 € / 6 €

In Kooperation mit



Katrin Laur

»PORTA COELI«

Moderation: Karsten Kaminski
Lesung der deutschen Texte: Tatjana Pasztor
Donnerstag, 9. November, 19:30 Uhr
Saal im Haus der Bildung

 

Die geschichtsträchtigen Jahre 1930 bis 1941, für Estland, Deutschland und ganz Europa so belastend wie folgenreich, bilden die Folie für Katrin Laurs Roman »Porta Coeli«. Inspiriert von der wahren Geschichte eines deutschen Jesuiten in Estland, entwirft die Autorin ein faszinierendes Kaleidoskop: einfache Menschen ebenso wie Persönlichkeiten, die in die Weltgeschichte eingehen; profane Momente und solche, die über das Schicksal von Nationen entscheiden. Im Zentrum des Geschehens steht der Jesuit Eduard Profittlich aus Birresdorf, der 1930 nach Tallinn kommt und 1941 von dort nach Sibirien verschleppt wird, wo er 1942 im Gefängnis von Kirov stirbt.

 

Die estnische Regisseurin und Autorin Katrin Laur, geboren und aufgewachsen in Tallinn, studierte Regie an der Moskauer Film-akademie. 1982 emigrierte sie nach Deutschland, studierte in München Germanistik und begann, neben Prosa und Lyrik, Drehbücher zu schreiben. Sie war Produzentin, Dokumentar- und Spielfilmregisseurin und ist seit 2011 Professorin für Drehbuch an der Kunsthochschule für Medien in Köln. In jüngerer Zeit ist das belletristische Schreiben zu ihrem kreativen Schwerpunkt geworden. Ihren ersten Roman »Porta Coeli«, der 2018 in Estland erscheint, stellen wir in unserer europäischen Lese- und Gesprächsreihe vor.

 

Haus der Bildung, Mülheimer Platz 1, Bonn
Eintritt frei

 

In Kooperation mit


Von hier aus

ADRIAN KASNITZ UND CHRISTIAN BERGLAR

Montag, 6. November, 19:30 Uhr
Saal im Haus der Bildung

 

In der aktuellen Ausgabe unserer regionalen VON HIER AUS-Reihe
geht es nicht nur um den jüngst erschienenen Roman »Bessermann« des Kölner Autors Adrian Kasnitz. Wir stellen Ihnen auch den neuen Kölner Launenweber Verlag und seinen Gründer Christian Berglar vor, der die Geschichte seines Hauses schildert und erzählen kann, wie Autor, Text und Verlag zusammenfanden. Berglar, Jahrgang 1982 und Nachfahre von Johann Heinrich Merck und Elisabeth Merck, die mit Kurt Wolff verheiratet war, war das Verlegen gewissermaßen in die Wiege gelegt.


Adrian Kasnitz veröffentlicht vor allem Lyrik, dazu Prosa und Essays. Seine Texte wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt. Er ist Gastgeber der Kölner Lesereihe Literaturklub und mit der Edition parasitenpresse ebenfalls verlegerisch tätig. »Bessermann« ist sein zweiter Roman und handelt von einem traumatisiert nach Deutschland zurückgekehrten Kriegsreporter. In kurzen prägnanten Splittern und wechselnden Perspektiven lässt Kasnitz eine ruhelose Seele zu Wort kommen und erzählt von einer Rückkehr, die keine Heimkehr ist.

 

Haus der Bildung, Mülheimer Platz 1, Bonn
Eintritt frei

 

In Kooperation mit



Bal littéraire - Texte & Tänze

mit Lothar Kittstein, Judith Merchant, Chris Nolde, Hendrik Otremba, Stefanie de Velasco und DJ Shoomz

Freitag, 20. Oktober

21 Uhr (Einlass ab 20 Uhr), Im Anschluss Party

Township Bonn/MS Beethoven

 

Fünf Autoren dichten eine Playlist und schreiben die dazu passende Geschichte – am Abend performen sie die Texte zu Popmusik und bringen das Publikum zum Tanzen. Der Bal littéraire, eine Literaturparty für junge Leute, wurde in Frankreich erfunden und hat sich dort in Rekordzeit an Theatern und auf Festivals verbreitet. Auch international ist er erfolgreich: Auf London, Rom, Madrid folgte 2010 der erste deutsche Bal am Theater Bonn. 2014 übernahmen Literaturhaus und Universität und präsentieren jetzt zum vierten Mal Literatur als cooles Live-Erlebnis. www.facebook.de/bal.litteraire

 

Township Bonn/MS Beethoven, Brassertufer Anleger Nr. 5, vor Anker

 

VVK über Bonnticket 5€, Abendkasse 7€

 

In Kooperation mit


Mit Selim Özdoğan

und Dorian Steinhoff

Montag, 16. Oktober, 20 Uhr, Fabrik 45

 

IMPORT/EXPORT– die zweite Staffel läuft. Immer noch ist die Show ein Veranstaltungsformat im Rheinland, das junge deutsch-sprachige Literatur live präsentiert. Kurzgetaktet und smart, mit Verve und Witz, in Bonn und Düsseldorf: Eine Literaturveranstaltung mit dem Zeug zur Late-Night-Show für alle, die bei der Vorstellung 60 Minuten Lesung zu hören, bereits eingeschlafen sind.

 

In Bonn geht es am 16. Oktober um 20:00 Uhr in der Fabrik45 weiter.


Zu Gast ist dann Selim Özdogan mit seinem neuen Roman »Wo noch Licht brennt« (Haymon Verlag). Nach den Romanerfolgen »Die Tochter des Schmieds« und »Heimstraße 52« erzählt Selim Özdogan darin die Geschichte seiner Protagonistin Gül weiter. Sie verlässt ein zweites Mal ihre Türkische Heimat Richtung Deutschland, um bei ihrem Mann Fuat zu sein. Selim Özdogan reflektiert in diesem Buch die großen Themen multikultureller Identitäten und zeigt auf, wie innere und äußere Gräben überbrückt werden können. Oder eben auch nicht.

 

 

Fabrik 45, Hochstadenring 45, Bonn
Karten 6 € zzgl. VVK-Gebühr über www.zakk.de oder an der Abendkasse

 

NÄCHSTER IMPORT/EXPORT TERMIN 5. Dezember 2017

In Kooperation von Kulturzentrum zakk (Düsseldorf) und Literaturhaus Bonn kommt Import/Export alle zwei Monate in Düsseldorf und Bonn auf die Bühne. Ein Konzept von Dorian Steinhoff (Köln) www.doriansteinhoff.de; gefördert von


Die Franzosen Kommen


ALAIN MABANCKOU »DIE LICHTER VON POINTE-NOIRE«

Lesung und Gespräch mit dem Autor
Moderation und Übersetzung: Christine Beyer
Mittwoch, 11. Oktober, 19:30 Uhr
Siebengebirgsgymnasium, Bad Honnef

 

Zum ersten Mal seit 23 Jahren reist Alain Mabanckou in seine kongolesische Heimatstadt. Man empfängt ihn begeistert, schließlich ist aus dem jungen Mann, der einst zum Studieren nach Frankreich ging, ein erfolgreicher Schriftsteller geworden. Man weiß, dass er im Fernsehen auftritt, in der Nähe von Hollywood lebt
und dass viele Weiße seine Bücher lesen. Doch Mabanckou muss erkennen, dass sein Besuch keine Rückkehr nach Hause ist. Überall hat er das Bild seiner Mutter vor Augen, die hier alt geworden und gestorben ist, während er in einem fernen Land lebte. Und so wird aus seinen Streifzügen durch die Stadt eine Reise in die eigene Kindheit. Eine literarische Spurensuche und eine Geschichte über das Fremdsein, das dort am stärksten sein kann, wo man es am wenigsten erwartet.

 

Alain Mabanckou, geb. 1966 in der Republik Kongo, verließ Ende der Achtzigerjahre seine Heimat. In Paris schloss er sein Jura-studium ab und arbeitete für einen Wirtschaftskonzern. Während-dessen erschienen zwei Lyrikbände und sein Debütroman, für den er den Grand Prix littéraire de l’Afrique noire erhielt. Weitere Romane und Preise folgten; 2012 wurde er von der Académie française für sein Gesamtwerk mit dem Grand Prix de Littérature ausgezeichnet. »Die Lichter von Pointe-Noire« (Deutsch von Holger Fock und Sabine Müller) stand 2015 auf der Shortlist des Man Booker International Prize. Heute ist er Dozent für französische Literatur an der UCLA und lebt in Santa Monica.

 

Siebengebirgsgymnasium, Rommersdorfer Str. 78-82, Bad Honnef


Karten im VVK über Bonnticket 12 € / 6 €, Abendkasse 14 € / 8 €, für Schüler*innen ist der Eintritt frei.

 

 

In Kooperation mit und gefördert von


Die Franzosen Kommen


DAS GASTLAND DER FRANKFURTER BUCHMESSE IN BONN

DIE TRADITIONELLE LITERATURHAUS-VERANSTALTUNG AM VORABEND DER FRANKFURTER BUCHMESSE

Lesungen und Gespräche mit Annie Ernaux, Shumona Sinha und Christophe Boltanski
Grußworte von Landry Charrier und David Eisermann
Lesung der deutschen Texte: Tatjana Pasztor
Moderation und Übersetzung: Patricia Klobusiczky

9. Oktober, 19 Uhr, Bundeskunsthalle

 

Annie Ernaux »DIE JAHRE«

Das Schwarz-Weiß-Foto eines Mädchens an einem Kieselstrand. Sie sitzt auf einem flachen Stein, die Arme auf den Felsen gestützt, die Augen geschlossen, den Kopf leicht zur Seite geneigt. Sie lächelt. Offensichtlich imitiert sie die Pose der Filmstars aus Cinémonde oder aus der Werbung. Auf der Rückseite: August 1949, Sotteville-sur-Mer.

Nachkriegszeit, Algerienkrise, Karriere an der Universität, Schreiben, Ehe, Mutterschaft, 1968, Krankheiten und Verluste, Mitterrand, Globalisierung, Altern ... Anhand von Fotografien, Erinnerungen und Aufzeichnungen vergegenwärtigt Annie Ernaux die Jahre, die vergangen sind. Dabei schreibt sie ihr Leben – unser Leben, das Leben – in eine neuartige Erzählform ein, in eine kollektive, »unpersönliche Autobiographie«. Annie Ernaux hat ein melancholisches Meisterwerk der Gedächtnisliteratur geschrieben.

 

Annie Ernaux, Jg. 1940, stammt aus einfachen Verhältnissen und wird als Autorin und (Hochschul-)Lehrerin erfolgreich. Gefeiert von Kritik wie Publikum und vielfach ausgezeichnet, nennt sie sich »Ethnologin ihrer selbst«: Sie beschreibt, mit feinem Sensorium und soziologisch geschultem Blick, Facetten von Frauenleben. »Die Jahre« (Deutsch von Sonja Finck) wurde mit dem Prix Marguerite Duras und dem Prix François Mauriac ausgezeichnet und war in Frankreich Nr. 1-Bestseller.

 

 

Shumona Sinha »STAATENLOS«

Mit wortgewaltigem Zorn und in starken Bildern schreibt Shumona Sinha von drei Frauen, die sich einer unbarmherzigen männlichen
Ordnung gegenübersehen. Sie schreibt von Rassismus, Sexismus und Unterdrückung – in Paris wie in Kalkutta.
Esha stammt aus wohlhabendem Milieu in Kalkutta, ist einem romantischen Traum gefolgt und aus Liebe zur Sprache nach Paris gekommen. Doch während sie auf die Einbürgerung wartet, häufen sich die rassistischen Bemerkungen, abfälligen Blicke, die Ent-täuschungen. Mina ist bengalische Bauerntochter und Analpha-betin. In einen Aufstand hineingezogen, hat sie doch eine viel drängendere Sorge, denn sie ist von ihrem Cousin schwanger, der sie ganz sicher nicht heiraten wird. Marie schließlich wurde schon als Säugling von liberalen französischen Eltern adoptiert. Sie reist regelmäßig nach Indien, auf unbestimmter Suche nach Exotik und ihrer eigenen unauffindbaren Herkunft.


Shumona Sinha, geb. 1973 in Kalkutta, lebt seit 2001 in Paris und
studierte Literaturwissenschaft an der Sorbonne. Ab 2009 war sie als Dolmetscherin für Asylsuchende tätig. Nach der Veröffentlich-ung ihres Romanerstlings »Erschlagt die Armen!« verlor sie ihre Arbeit bei der französischen Migrationsbehörde. Das Buch wurde in Frankreich Bestseller und mit zahlreichen Literaturpreisen aus-gezeichnet. »Staatenlos« (Deutsch von Lena Müller) ist ihr vierter Roman.

 

 

Christophe Boltanski »DAS VERSTECK«

Im Hof des Hauses in der Rue de Grenelle stand der Fiat 500, den Großmutter gern schwungvoll fuhr, denn so fiel ihre Gehbehinder-ung nicht auf. Im Erdgeschoss führte Großvater seine Arztpraxis, seit er als getaufter Jude im deutsch besetzten Paris seine Stelle im Krankenhaus verlor. Angesichts der wachsenden Gefahr ließ seine Frau sich scheiden – und versteckte ihren Mann 20 Monate lang in einem Gelass zwischen Bad und Schlafzimmer. Als der Krieg zu Ende ist, kommt ihr dritter Sohn zur Welt. – Originell und voller Zuneigung erzählt Christophe Boltanski die Geschichte seiner Familie anhand der Geschichte eines einzigartigen Hauses.

 

Christophe Boltanski, Jg. 1962, ist der Sohn des Soziologen Luc
Boltanski und Neffe des bildenden Künstlers Christian Boltanski. Als
Journalist und Kriegsreporter arbeitete er für Libération und den Nouvel Observateur und ist seit 2017 Chefredakteur der Zeitschrift XXI. Sein erster Roman »Das Versteck« (Deutsch von Tobias Scheffel) war in Fankreich ein Überraschungserfolg und erhielt den Prix Fémina.

 

Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland,
Friedrich-Ebert-Allee 4, Bonn

 

Karten im VVK über Bonnticket und an der Abendkasse 16 € / 12,80 € (für Mitglieder des LHB und Art Card-Inhaber) / 8 €

 

 

Beitrag zum offiziellen Ehrengast-Programm

 

In Kooperation mit und gefördert von:


Die Franzosen Kommen


LAURENCE TARDIEU

»SO LAUT DIE STILLE«

Lesung und Gespräch mit der Autorin
Lesung der deutschen Texte: Sabine Osthoff
Moderation und Übersetzung: Landry Charrier
Mittwoch, 27. September, 19 Uhr
Buchhandlung Kayser, Rheinbach

 

Januar 2015: Die Erzählerin schreibt an einem Roman über das Haus ihrer Kindheit in Südfrankreich. Es soll verkauft werden, und sie möchte die Erinnerungen daran retten. Die Anschläge von Paris auf die Redaktion von Charlie Hebdo reißen sie aus dem Schreiben heraus. Der Verlust des Gefühls von Sicherheit färbt alles – auch der Verlust des großelterlichen Hauses erscheint in anderem Licht. Sich im Schreiben diesen Rückzugsort zu bewahren, der lange untrenn-bar mit ihrer Existenz verbunden war, wird zu einem aussichtslosen Projekt. In der Erinnerung an das unbeschwerte Leben in Nizza und im Erleben des veränderten Alltags in Paris sucht sie nach Antworten auf die Frage, was in einer zerfallenden Welt noch standhält. Sie versucht, in der Sprache selbst den Halt zu finden, den sie zum Weiterleben braucht – für sich, ihre Töchter und den Sohn, den sie zur Welt bringen wird –, bis die Attentate im November die Stadt erneut erschüttern. Ein Roman (Deutsch von Kirsten Gleinig), der politische und private Ereignisse miteinander verwebt und der Angst vor dem Terror die Suche nach der eigenen Freiheit entgegenstellt.

 

Laurence Tardieu, geb. 1972, schreibt von Kindheit an. Seit 2000
hat sie zehn autobiographisch geprägte Romane veröffentlicht. Auf
Deutsch erschien von ihr bereits »Weil nichts bleibt, wie es ist«.

 

Buchhandlung Kayser, Hauptstraße 28, Rheinbach
Karten im VVK über Bonnticket 12 € / 6 €, Abendkasse 14 € / 8 €

 

 

In Kooperation mit und gefördert von


Buchpremiere

Markus Orths

»Max«

Lesung und Gespräch mit dem Autor
Dienstag, 26. September, 19:30 Uhr
Max Ernst Museum, Brühl

 

Sechs Frauen, sechs Lieben, ein Jahrhundert – Markus Orths erzählt
von einer wahnwitzigen Zeit und einem großen Künstler: Max Ernst.
Er kämpft gegen die Verrücktheit einer Welt, die aus den Fugen gerät. Er flieht vor der wilhelminischen Zeit, vor dem Vater, später vor dem Nationalsozialismus. Er sucht die eine Frau, die er lieben kann. In Deutschland, im wilden Paris der Zwanzigerjahre, im Exil in den USA. Viele seiner Freunde und Frauen sind berühmte Menschen dieser Zeit: Paul Eluard, André Breton, Leonora Carrington, Peggy Guggenheim. Im Spiegel von sechs Frauenleben entfaltet sich ein Porträt des 20. Jahrhunderts und eines seiner größten Künstler. Markus Orths erzählt so lebendig und ansteckend, dass man in jeder Zeile die Leidenschaft spürt, mit der dieser Roman geschrieben wurde.

 

Markus Orths, geb. 1969 in Viersen, studierte Philosophie, Romanistik und Anglistik. Als Autor von Romanen, Hörspielen und Kinderbüchern lebt er in Karlsruhe. Seine Bücher sind in sechzehn Sprachen übersetzt, der Roman »Das Zimmermädchen« wurde 2015 für das Kino verfilmt. Einen ersten literarischen Text zu Max Ernst legte er 2014 im Rahmen des Projekts »Museumsschreiber NRW« vor.

 

Max Ernst Museum, Comesstraße 42, Brühl


Karten an der Museumskasse, bei Brühl Info und der Buchhandlung Brockmann, VVK: Ticket Lesung 10 €; Lesung inkl. Führung »Max Ernst und die Frauen« um 18 Uhr 14 €, Zuschlag Abendkasse: 2 €

 

In Kooperation mit


Beethovenfest

Christina Weiß und Hajo Steinert

»Die ferne Geliebte – gestern, heute, morgen«

Ein Literaturgespräch

Donnerstag, 21. September, 20 Uhr

Festsaal, Universität Bonn

 

Ob Groschenroman oder Weltliteratur – kaum ein literarisches Werk kommt ohne die Themen »Liebe«, »Sehnsucht«, »Nähe«, »Ferne« aus. Wie die musikalische Kreativität, so hängen auch die Impulse zum Schreiben vielfach mit der geheimnisvollen Interaktion zwischen Erwartung und Erfüllung zusammen. Die profunde Literaturwissenschaftlerin Christina Weiss und der Kritiker und

Schriftsteller Hajo Steinert erörtern die Wandlungen und Verwandlungen, die die Figur der »fernen Geliebten« in der Literatur erfahren hat – vom platonischen Eros der Antike zur Fernliebe im Mittelalter, von den gebändigten Formen in der

Klassik zu den religiösen Projektionen der Romantik, von den Versachlichungen in der Moderne zum Fest der totalen Erreichbarkeit heute …

 

 

Universität Bonn, Festsaal, Am Hof 1, Bonn

Karten im VVK über www.beethovenfest.de und an der Abend-kasse 9 € / 4,50 € oder über Bonnticket zzgl. 2 € Servicegebühr

 

In Kooperation mit

Natascha Wodin

»Sie KAm AUS MARIUPOL«

Moderation: David Eisermann

Freitag, 15. September, 19:30 Uhr

Saal im Haus der Bildung

 

»Wenn du gesehen hättest, was ich gesehen habe«, sagte Natascha
Wodins Mutter immer wieder und nahm doch, was sie meinte, mit
ins Grab. Die zehnjährige Tochter wusste nicht viel mehr, als dass sie als eine Art Kehricht vom Krieg übriggeblieben war. Erst Jahrzehnte später öffnet sich der Autorin die Blackbox ihrer Herkunft, erst ein bisschen, dann immer mehr. In »Sie kam aus Mariupol« spürt Natascha Wodin dem Leben ihrer ukrainischen Mutter nach. Bestürzend intensiv beschreibt sie ein vernach-lässigtes Anhängsel des Holocaust: die Zwangsarbeit im Dritten Reich. Wie durch ein spätes Wunder tritt Wodins Mutter aus der Anonymität heraus: weil »Wodin den Stoff nicht nur aufgreift, sondern bis ins Herz durchdringt, schreibt sie die Geschichte der Mutter in die Weltliteratur ein.« Stuttgarter Zeitung

 

Natascha Wodin wurde als Kind verschleppter sowjetischer Zwangsarbeiter 1945 in Fürth geboren. Sie wuchs in Nachkriegs-lagern für »Displaced Persons« und, nach dem Suizid ihrer Mutter, in einem katholischen Mädchenheim auf. Nach anschließender Obdachlosigkeit arbeitete sie als Telefonistin, Dolmetscherin und schließlich Übersetzerin russischer Literatur. Seit 1980 ist Wodin freie Schriftstellerin. Ihre Werke setzen sich mit Entwurzelung und Ortlosigkeit auseinander. »Sie kam aus Mariupol« wurde 2017 mit dem Preis der Leipziger Buchmesse und mit dem Alfred-Döblin-Preis ausgezeichnet.

 

Haus der Bildung, Mülheimer Platz 1, Bonn

Karten im VVK über Bonnticket 12 € / 6 €, Abendkasse 14 € / 8 €

 

In Kooperation mit:


Grusswort

Roger Willemsen

Schirmherr 2010-2016

In Kooperation mit

»Wie gut, dass die Literatur in Bonn endlich ein Dach bekommt: Große Autorinnen und Autoren, Romane und Dichtung, Vergangenheit und Gegenwart, Zeitkritik und Polemik, kunstvoll Ziseliertes und spontan Improvisiertes, lauter innere Ereignisse. Die Ressourcen der Literatur sind unerschöpflich, und sie bieten der Leserschaft unendliche Möglichkeiten der Selbstverwandlung an. Freuen Sie sich also, es ist angerichtet. Nun müssen nur noch die Gäste kommen: Sie.«



Gefördert vom Kulturamt der Bundesstadt Bonn und vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen

Stadt Bonn